Koreas 350 Jahre alter Faltfächer ist zurück — und Touristen können nicht genug bekommen

Koreas 350 Jahre alter Faltfächer ist zurück — und Touristen können nicht genug bekommen

Der Hapjukseon ist ein koreanischer Faltfächer, der in über 150 Schritten aus Bambus und Maulbeerpapier hergestellt wird und von Joseon-Gelehrten als Zeichen der Kultiviertheit getragen wurde — und nach 350 Jahren verfallen Touristen ihm in dreißig Sekunden.

In diesem Artikel

Warum der Hapjukseon wieder Aufmerksamkeit bekommt Wie er hergestellt wird Geschichte & kulturelle Rolle Moderne Wiederbelebung

Er lässt sich auf die Größe eines Stifts zusammenfalten. Vollständig geöffnet wird er zu einer Leinwand für Tuschemalerei und Gedichte. Der hapjukseon (합죽선) — Koreas traditioneller Bambus-Faltfächer — ist eines der still bemerkenswertesten Handwerke des Landes und findet nach Jahrhunderten stiller Existenz ein neues Publikum.

Der Name des Fächers bedeutet wörtlich „Fächer aus verbundenen Bambusstreifen“. Jedes Stück wird hergestellt, indem zwei äußere Bambusstreifen um einen Kern aus hanji — traditionellem koreanischem Papier aus Maulbeerbaumrinde, bekannt für seine Haltbarkeit — gespalten und geschichtet werden. Der Prozess umfasst mehr als 140 bis 150 manuelle Schritte mit natürlichen Materialien. Schon eine falsch ausgerichtete Strebe verhindert das korrekte Falten des Fächers. Die Fehlertoleranz liegt nahe null.

Stufe 1

Bambus wird in dünne Streifen gespalten; äußere Schichten werden auf präzise Dicke zugeschnitten

Stufe 2

Mehrere Schichten hanji werden laminiert, um die Fächerfläche zu bilden

Stufe 3

Zentrale Drehachse wird montiert, damit sich der Fächer gleichmäßig öffnet und schließt

Stufe 4

Kalligrafie, Malereien oder Muster werden auf die fertige Oberfläche aufgebracht

Das Handwerk wird seit etwa 350 Jahren praktiziert, wobei Jeonju in der Provinz Nord-Jeolla sein historisches Zentrum bildet. Während der Joseon-Dynastie (1392–1910) war der hapjukseon weit mehr als ein Kühlwerkzeug. Er wurde von Gelehrten und Aristokraten als Zeichen von Kultiviertheit getragen, mit Kalligrafie und Landschaftsmalerei verziert und als königliches Geschenk überreicht. Während des Dano-Festivals war es üblich, dass der König Beamten Fächer überreichte — eine Tradition namens dano jinseon (단오진선). Pansori-Sänger halten weiterhin einen Fächer während der Aufführung; Seiltänzer nutzen ihn zur Balance.

„Es ist nicht nur ein saisonaler Gegenstand. Er kann über Generationen weitergegeben werden.“ — Kim Dong-sik, vierte Generation hapjukseon-Hersteller

Das Überleben dieser Tradition verdankt sich sowohl einzelnen Kunsthandwerkern als auch Südkoreas System des immateriellen Kulturerbes. Die koreanische Regierung klassifiziert immaterielles Kulturerbe offiziell nach dem Cultural Property Protection Act von 1962 und bezeichnet Meister traditioneller Handwerke als nationale, städtische oder provinzielle Kulturerbeträger. Kim Dong-sik, ein 1943 in Jeonju geborener Hersteller in vierter Generation, wurde 2007 als Immaterielles Kulturgut Nr. 10 der Provinz Nord-Jeolla ausgewiesen und später als staatlich anerkannter Meister des seonjajang (Fächerhandwerk) anerkannt. Seine Familienlinie reicht etwa 140 Jahre zurück. Sein Großvater mütterlicherseits, Rah Hak-cheon, stellte Fächer für den königlichen Hof der späten Joseon-Zeit her.

Heute erreicht der hapjukseon Besucher auf andere Weise. In Kulturerbevierteln wie dem Jeonju Hanok Village und Bukchon in Seoul sind praktische Fächer-Workshops zu einem festen Bestandteil kultureller Tourismusprogramme geworden. Besucher — viele davon international — können den Herstellungsprozess direkt beobachten und eigene Fächer anfertigen. Das Objekt ist auch in den Designmarkt eingetreten: zeitgenössische Versionen nutzen moderne Farbpaletten und grafische Muster und werden als Souvenirs und Lifestyle-Produkte verkauft. Auf Plattformen wie TikTok und Instagram trägt die Kombination traditioneller Fächer mit hanbok (한복) zur Sichtbarkeit als K-Kultur-Objekt bei.

Ein gut gefertigter hapjukseon aus hochwertigem hanji soll angeblich bis zu 1.000 Jahre halten. Ob als Accessoire getragen oder als Andenken gekauft, fungiert der hapjukseon heute weniger als saisonales Gebrauchsobjekt und mehr als greifbare Begegnung mit der Geschichte koreanischer Handwerkskunst — eines Objekts, das etwa 150 Schritte zur Herstellung benötigt und ungefähr dreißig Sekunden, um sich in etwas zu verwandeln, in das man sich verliebt.