Warum Hanok um den Luftstrom herum gebaut wird: Die Wissenschaft des atmenden koreanischen Hauses
Hanok ist das traditionelle koreanische Wohnhaus, das darauf ausgelegt ist, das Raumklima allein durch den natürlichen Fluss von Luft, Licht und Wärme zu regulieren…
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Hanok ist das traditionelle koreanische Wohnhaus, das darauf ausgelegt ist, das Raumklima allein durch den natürlichen Fluss von Luft, Licht und Wärme zu regulieren — ganz ohne mechanische Systeme.
In einer Zeit, in der es noch keine Heiz- und Kühltechnologie gab, mussten die Gebäude sowohl den heißen, feuchten Sommern als auch den kalten, trockenen Wintern der koreanischen Halbinsel standhalten. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurden Belüftung, Beleuchtung und Wärmespeicherung direkt in die Architektur integriert.
Wie Hanok ohne Maschinen belüftet
Das Hanji-Papier, das in den Fenstern eines Hanok verwendet wird, besitzt eine feine poröse Struktur, die es Außenluft ermöglicht einzudringen, während gleichzeitig Feuchtigkeit aus dem Inneren nach außen abgegeben wird.
Wenn die Türen des Daecheong — der offenen, holzgeflochtenen Halle zwischen Vorder- und Rückseite des Hauses — geöffnet werden, entsteht eine Querlüftungsstruktur.
Die Luft aus dem Vorderhof zieht durch den Daecheong und entweicht zum Hinterhof. Dabei entsteht ein Druckunterschied im Inneren des Gebäudes, der eine kontinuierliche Luftzirkulation im gesamten Wohnbereich antreibt.
Wie Dachvorsprung und erhöhtes Fundament auf den Jahreszeitenwechsel reagieren
Die tiefen Dachvorsprünge eines Hanok sind so konzipiert, dass sie das hochstehende Sonnenlicht des Sommers abschirmen, während das tief stehende Sonnenlicht des Winters tief ins Innere eindringen kann.
Das erhöhte Steinfundament — bekannt als Gidan — hebt das Gebäude über das Bodenniveau an. Dies verhindert, dass Bodenfeuchtigkeit im Sommer in die Konstruktion eindringt.
Luft kann auch unterhalb des Fundaments zirkulieren, was dazu beiträgt, die Temperatur des darüber liegenden Holzbodens durch Unterlüftung zu senken.
Die architektonische Rolle des Daecheong
Der Daecheong ist ein offener Raumbereich, der zwischen den beheizten Ondol-Zimmern und dem äußeren Hof liegt.
Seine erhöhte Bodenstruktur, die nach unten hin offen ist, schützt das Innere vor Bodenhitze. Wenn warme Luft aus dem Hof durch den Daecheong strömt, entsteht ein natürlicher Kühlungseffekt.
Über seine Kühlfunktion hinaus dient dieser Bereich auch als Übergangspuffer, der das Innere und Äußere des Hauses miteinander verbindet.
Wie Ondol und Holzboden nebeneinander existieren
Das Hanok vereint zwei gegensätzliche Klimaanpassungssysteme in einem einzigen Gebäude.
Ondol — auch als Gudeul bekannt — ist ein Fußbodenheizungssystem, das die aus einem Feuerraum erzeugte Wärme durch Kanäle unter dem Boden zirkulieren lässt und die Wärme in den darüberliegenden Steinplatten speichert.
Der Daecheong hingegen ist eine offene Struktur, die Luft zirkulieren lässt und in den wärmeren Monaten eine Kühlfunktion übernimmt.
Diese beiden Systeme werden je nach Jahreszeit selektiv genutzt und bilden gemeinsam eine konstruktive Lösung für die extremen Klimabedingungen der koreanischen Halbinsel.
Während sich die zeitgenössische Architektur weitgehend in Richtung versiegelter Gebäudehüllen und mechanischer Systeme zur Energiesteuerung entwickelt hat, schlug das Hanok einen anderen Weg ein — indem es natürliche Kräfte in die Gebäudestruktur selbst einbezog. Aus der Perspektive klimaadaptiver Architektur werden die Gestaltungsprinzipien des Hanok in Diskussionen über nachhaltiges Bauen als Referenzfall angeführt.