Die koreanischen Lieferfrauen, die früher jede Nachbarschaft kannte
Lange bevor Essenslieferungs-Apps zum Alltag gehörten, hatte Südkorea bereits eine einzigartig menschenzentrierte Lieferkultur entwickelt. Jahrzehntelang zogen Frauen, bekannt als „Yakult Ajumma", still durch Wohnviertel und lieferten probiotische Getränke aus — und wurden dabei zu einem der unverkennbarsten Symbole des koreanischen Gemeinschaftslebens.
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Wer sind die Yakult Ajumma?
Für viele Koreaner weckt der Begriff „Yakult Ajumma" sofort Kindheitserinnerungen. Er bezeichnet Frauen, die traditionell durch Wohnanlagen und Wohnviertel zogen und kleinen probiotische Getränke direkt an Kunden verkauften. Anders als gewöhnliche Verkäuferinnen wurden sie zu vertrauten Gesichtern, denen Millionen von Koreanern über Jahrzehnte fast täglich begegneten.
Wie es in den 1970er Jahren begann
Das System begann im Jahr 1971, als Korea Yakult, heute bekannt als hy, probiotische Joghurtdrinks auf den koreanischen Markt brachte. Supermärkte waren damals noch weit weniger verbreitet, und die Kühllogistik steckte noch in den Kinderschuhen. Anstatt auf herkömmliche Einzelhandelsgeschäfte zu setzen, baute das Unternehmen ein landesweites Direktliefernetzwerk auf, indem es ortsansässige Frauen beschäftigte, die Produkte persönlich in Wohngebieten verteilten.
Eine einzigartige koreanische Lieferkultur
Lange bevor moderne Essenslieferplattformen Südkorea zu einer der schnellsten Lieferwirtschaften der Welt machten, verkörperten die Yakult Ajumma eine frühe Form hyperlokal ausgerichteter Lieferkultur. Mit kleinen Kühlwagen bewegten sie sich jeden Morgen durch die Viertel und brachten frische Produkte direkt zu Wohnungen und Büros — und pflegten dabei eine ungewöhnlich persönliche Kundenbeziehung, die in anderen Ländern kaum ihresgleichen findet.
Mehr als nur Produktverkäuferinnen
Im Laufe der Zeit wurden die Yakult Ajumma weit mehr als bloße Lieferantinnen. Da sie täglich dieselben Viertel besuchten, entwickelten viele Anwohner eine persönliche Vertrautheit mit ihnen. In manchen Gemeinschaften pflegten ältere Menschen, die allein lebten, regelmäßigen Kontakt zu ihnen, und ihre Anwesenheit schuf unbeabsichtigt eine Art informelles Nachbarschaftsfürsorgenetz, in dem ungewöhnliche Situationen oft rasch bemerkt wurden.
Wie sich das System weiterentwickelt hat
Obwohl viele Menschen die Yakult Ajumma mit einer älteren Generation der koreanischen Gesellschaft verbinden, existiert das System noch heute. Im Jahr 2019 benannte das Unternehmen die Mitarbeiterinnen offiziell in „Fresh Manager" um und führte elektrische Kühlwagen sowie digitale Bestelltechnologie ein. Trotz der Modernisierung verwenden die meisten Koreaner noch immer den ursprünglichen Spitznamen — ein Zeichen dafür, wie tief dieses Bild in der koreanischen Alltagskultur verwurzelt ist.
Warum Koreaner sie noch immer in Erinnerung haben
Was die Yakult Ajumma kulturell so faszinierend macht, ist, dass sie eine ältere Version der koreanischen Gesellschaft widerspiegeln — eine, die auf engen Nachbarschaftsgemeinschaften und wiederkehrendem persönlichem Kontakt aufgebaut war. Für Generationen standen diese Frauen für Vertrauen, Routine und alltägliche Vertrautheit. Selbst in der heutigen hochdigitalisierten Gesellschaft sind sie eine der eindringlichsten Erinnerungen daran, wie gemeinschaftszentriert der Alltag in Korea einst war.